und der heutige Kantor!

An warmen Sommerabenden im Jahr 1981 blieb der Blick vom Balkon unserer Wohnung manches Mal an den schönen Türmen der Katharinenkirche hängen. Wer hätte damals gedacht, dass ich die Freude haben würde, hier später einmal einen Chor zu leiten und an der Orgel zu spielen! Doch das sollte noch 15 Jahre dauern.
Ich hatte gerade meine Studien (Schul-, Kirchenmusik und ev. Religion) in Hannover und Göttingen beendet und mich am Braunschweiger Dom beworben. Von 1981 bis 1986 lernte ich dort alle Facetten kirchenmusikalischer Praxis als Assistent von Domkantor H. Kruse kennen. In dieser Zeit hatte ich zum ersten Mal Kontakt zur Katharinenkantorei, mit der ich vertretungsweise den „Elias“ probte. Nach fünf Jahren Braunschweig wechselte ich an die Bischofskirche St. Lamberti in Oldenburg und baute dort eine umfangreiche Kinder- und Jugendchorarbeit auf. Ich freute mich darauf, in Gottesdienst und Konzert die großen Werke der Oratorienliteratur, Kantaten und a cappella Werke mit dem nach langer Vakanz schnell gewachsenen Lambertichor dirigieren zu können. Zehn Jahre nahm ich die vielschichtigen Aufgaben der Arbeit an einer „Citykirche“ wahr.
1996 schrieb die Oldenburger Presse „Hecker geht“ und die Braunschweiger Zeitung „Hecker kommt“. Die Katharinenkirche wurde mein neuer Arbeitsbereich. Meine inzwischen auf 5 Köpfe gewachsene Familie wurde in Braunschweig sehr herzlich aufgenommen. „Wieder einmal ausgeflogen, wieder einmal heimgekehrt, fand ich doch die alten Freunde wieder“ sang die Katharinenkantorei unter Leitung meines Vorgängers Dieter Kroeker am Tag meiner Einführung.
Neue Aufgaben warteten auf mich, denn ich war jetzt nicht nur für die Musik einer Kirchengemeinde, sondern auch für die einer Landeskirche verantwortlich. Fachaufsicht, Aus- und Fortbildung des kirchenmusikalischen Nachwuchses, Angebote von Seminaren, Leitung des Propsteikantorenkonventes, Geschäftsführung des „Beirates für Kirchenmusik“ , Mitarbeit im Predigerseminar in der Vikarausbildung und in der Agendenkommission, Beratung des Landeskirchenamtes in musikalischen Fragen sind die wichtigsten Aufgabenfelder neben dem Versuch, die mangelhafte Versorgung der Gemeinden mit Organisten durch die Gründung einer „Braunschweigischen Orgelschule“ aufzufangen.
Darüber hinaus ist die Motivation zur Zusammenarbeit der Kirchenmusiker ein wesentlicher Schwerpunkt meiner landeskirchlichen Arbeit. Das Bachjahr 2000 bot dafür mit einem Bachkantatenzyklus in 34 in der Landeskirche verteilten Gottesdiensten eine gute Gelegenheit. Eine Steigerung bedeutete die Aufführung des Requiems von H. Berlioz 2002 in der Volkswagenhalle in Braunschweig mit 1000 Mitwirkenden.
Frei nach W. Busch kann ich sagen: „Immer in der Wochen Mitte, lenkt er seine Schritte zu der heimatlichen Hütte. Das ist ein gar großes Glücke“. Das Singen mit der Katharinenkantorei bedeutet für mich besondere Freude. Wunderbar, die geistliche Chorliteratur unterschiedlicher Epochen zu studieren und sich auf Wagnisse wie z.B. die einer Ur- oder Erstaufführung einzulassen. Zu den schönen Regelmäßigkeiten der Kantoreiarbeit gehören die Aufführung einer Kantate aus dem Weihnachtsoratorium von J.S.Bach im Festgottesdienst am ersten Weihnachtstag und das Projekt der Reihe „Kirchenmusik erklärt“. Aber auch das gesellige Zusammensein kommt bei der Grünkohlwanderung, bei der Maibowle, und beim Sommerabend in „Kantors Garten“ nicht zu kurz. Die freundschaftliche Gemeinschaft unseres Chores wird auf den Reisen, die bisher ins Elsaß, nach Prag, Dresden, Florenz, Wien, Bratislava, Warwick (England) und Posen (Polen) führten, besonders gepflegt. Sie gehören zu den Höhepunkten im Leben der Kantorei. Schön, wenn dabei außerdem Kontakte zu Mitgliedern anderer Chöre geknüpft werden, wie bei der Aufführung des „Messias“ mit dem Chor der Kathedrale in Warwick 2007.
14 Jahre sind seit meinem Neubeginn in Braunschweig vergangen. Sie waren geprägt von vielen Werken in Gottesdiensten und Konzerten, freundschaftlichen Begegnungen und gemeinsamer Arbeit mit meinem Kollegen Wolfgang Bretschneider (davor Eberhard Jung und Ursula Gozdek) im Team der Katharinengemeinde. Die Musik ist in der Katharinenkirche ein fester Baustein im Gemeindeleben. Das ist auch der Arbeit meiner beiden Vorgänger Uwe Karsten Groß und Dieter Kroeker zu verdanken sowie der Unterstützung durch Pastor Joachim Vahrmeyer und bis vor kurzer Zeit Pastor Hansgünter Ludewig.
Für mich war es eine besondere Freude, zusammen mit meinen beiden Vorgängern und ehemaligen Mitgliedern der Kantorei den 50. Geburtstag des Chores zu feiern.
Ich verbinde damit Dank an die Kantorei und die Gemeinde, an dieser musikalisch traditionsreichen Kirche arbeiten zu können, aber auch Dank an den „Freundeskreis zur Förderung der Kirchenmusik an St.Katharinen“, der die Kirchenmusik sehr wesentlich unterstützt. Möge die Musik an St. Katharinen weiterhin zum Lobe Gottes und zur Freude der Gemeinde erklingen.
Claus-Eduard Hecker